Qualität der Begleiter im Bereich der Gemeinschaftsbildung - Stand April 2022

Motivation

Ich - Tobias Unsleber - bin seit vielen Jahren hauptsächlich als Teilnehmer in der Szene aktiv und möchte aufgrund meiner positiven Erfahrungen diese Methode verbreiten. Wenn es jedoch um die Qualität und Sicherheit für die Teilnehmer geht, so bereitet mir das Verhalten einiger weniger Personen, die als Begleiter auftreten, in einzelnen Aspekten, Schwierigkeiten. Deswegen drücke ich diese Bedenken hier in allgemeiner Form aus, damit jede:r Interessierte eine Basis für eine persönliche Entscheidung hat.

Zusammenfassung

Gemeinschaftsbildung ist ein Prozess, der Schwierigkeiten in einer Art und Weise für die Teilnehmenden darstellt, die diese so nicht vermuten würden. Das ist so gewollt und die tatsächliche Aufgabe, die jedem Teilnehmenden gestellt wird. Es gibt keine Qualitätssicherung in diesem Bereich, faktisch keine Ausbildung und keine geschützten Begriffe. Jeder kann sich hier darstellen, wie er will. Titeln und Namen von Institutionen sollte grundsätzlich mit Skepsis begegnet werden. Menschen mit psychischen Problemen, wie Traumata, sollten vorher mit den Seminarleiter:innen und ggf. mit den behandelnden Psycholog:innen bzw. Psychotherapeut:innen besprechen, ob eine Teilnahme sicher und empfehlenswert ist. Ich empfehle einige Personen, die ich als Begleiter:in persönlich erlebt habe und denen ich vertraue. Weiterhin verbreite ich hier auch Informationen über Veranstaltungen und von Personen, auch wenn ich keine persönliche Empfehlung abgebe. Es mag aufgrund mangelnder Erfahrung mancher Begleiter:innen möglicherweise bei einzelnen oder allen Teilnehmenden hin und wieder zu unangenehmen oder sehr unangenehmen Erfahrungen kommen, deren Bewältigung ich als zusätzliche Schwierigkeit für die Teilnehmenden bewerte, die es danach dann zu verarbeiten gilt. Auch solche Erfahrungen sehe ich als bereichernd an. Informationen bzgl. Personen oder deren Veranstaltungen, bei denen ich zumindest Zweifel habe, ob diese ethisch einwandfrei handeln, bzw. ob diese in Übereinstimmung mit den Werten, die ich als grundlegend notwendig erachte, handeln, gebe ich hier keinesfalls weiter. Bei Personen, die selbst nicht kenne, gehe ich von einer grundsätzlichen Redlichkeit aus und verbreite Information über deren Veranstaltungen hier.

Persönliche Empfehlungen

Sabine Bartscherer und Christoph Picard
Sabine Bartscherer ist eine Begleiterin, die ich bereits sehr lange kenne. Ich habe an zwei Ihrer Jahres-/Ausbildungsgruppen sowie einiger Workshops von Ihr teilgenommen. Ich erlebe Sie als sehr engagiert dabei, das Wissen und die Erfahrung der Gemeinschaftsbildung weiter zu geben und habe keine Zweifel an Ihrer Redlichkeit. Sie hat regelmässig Ausbildungsgruppen zum Begleiter der Gemeinschaftsbildung organisiert und geleitet. Christoph Picard war Ihr langjähriger Partner mit umfassender Erfahrung in der Prozessbegleitung.
Edward Groody vom Community Building Institute(CBI)
Edward Groody ist derzeitiger Präsident des CBI(Knoxville/Tennessee). Er hat direkt mit Scott Peck zusammengearbeitet und ist derzeit weltweit wohl die Person mit der meisten Erfahrung im Begleiten der Gemeinschaftsbildungsprozesse nach Scott Peck. Er hat mit seiner Firma auch selbst zahlreiche Begleiter in den USA ausgebildet. Ich habe Ihn in einigen Workshops erlebt und sehe seine Begleitung als Bereicherung für mein Verständnis der Gemeinschaftsbildung. Die derzeit offizielle Europäische Webseite für das CBI ist communitybuilding.live, deren Angebote ich grundsätzlich empfehle. Mir ist allerdings nicht bekannt, ob alle Begleiter, die sich weiterhin noch auf eine mögliche Partnerschaft mit Edward Groody bzw. zum CBI berufen und somit dieses Qualtätitslevel für sich selbst beanspruchen, dies auch rechtmässig tun.
Ina Welpmann und Stefan Gross-Leisner
Ina und Stefan veranstalten seit einiger Zeit regelmässig Workshops zur Gemeinschaftsbildung, offene Workshops als Seminare für Gruppen von beliebigen Einzelpersonen, Workshops für in Gründung befindliche Gemeinschaften, als auch vereinzelt für Firmen. Ina und Stefan sind beide aktiv in der sozialen Arbeit, d. h. haben aufgrund aktueller Tätigkeit und Studium fachlich nochmal mehr Erfahrung über Theorie und Praxis in der Arbeit mit Menschen. Ich habe die beiden Begleiter als sehr achtsam und wertschätzend in Ihrer Rolle erlebt. Ihr persönlicher Begleitungsstil, möglichst wenig in den Prozess einzugreifen, ist mir sehr sympathisch.
Weitere Personen
Weitere Personen, die mir auf meiner Reise durch die Gemeinschaftsbildung als Begleiter und Teilnehmer begegnet sind und mit denen ich mich grundsätzlich wohl fühle sind Johanna Gross, Nadja Sumichrast, Andreas Reese, Brigitte Höper, Matthias Lorenz, John Schuler, Mona Raeume, das Begleitungsteam von www.communitybuilding.co.uk, Eve Berry und Tivadar Balasz.

Die Methode

Die Gemeinschaftsbildung nach Scott Peck ist ein auf Achtsamkeit und Selbstwahrnehmung basierender Prozess. Die Achtsamkeit kontinuierliche Selbstwahrnehmung führt dazu, dass man sich selbst im Laufe des Prozesses immer stärker wahrnimmt. Die mögliche Intensität der Gefühle kann also mit Dauer der Veranstaltung stark zunehmen. Während eine dreistündige Veranstaltung kaum etwas intensives auszulösen vermag, kann ein 2-3 tägiger Wochenendworkshop intensive Gefühle ans Licht bringen. Gefühle, die alles andere als harmlos sind: Grosse Wut, tiefe Trauer, Selbstzweifel, Scham, etc. Die weit verbreitete Einstellung dabei ist, dass man seine Gefühle im Griff hat. Dies ist ein Irrtum. Widmet man sich mit sehr starker Intensität dieser Selbstwahrnehmung, können die Gefühle ungeahnte Ausmaße annehmen, die zeitweillige Zustände von persönlicher Not bewirken können. Das sollte man nicht unterschätzen. Für die meisten Menschen ist die Übung der Achtsamkeit - vor allem in einer Zeit, die von Ablenkung, ständig notwendiger Aufmerksamkeit und starker Hektik geprägt ist - ein sehr wertvolles Training. Es mag mitunter sehr unangenehm sein, sich mehr mit sich selbst zu konfrontieren. Das ist so gewollt und gerade das kann auch sehr heilsam sein. Von einer Teilnahme abzuraten ist jedem, der weiss, dass er in seiner Vergangenheit stark traumatisierende Erlebnisse erfahren hat. Traumata sind intensive emotionale Erfahrungen - z. B. sexueller Missbrauch oder körperliche Misshandlungen in der Kindheit - die so stark sind, dass diese aus dem bewussten Erlebnis auf die ein oder andere Weise herausgelöst sind. Diese Methode fördert das auftauchen solcher verdrängter Emotionen. So etwas sollte man bei starken Traumata nur sehr kontrolliert und mit entsprechender professioneller Begleitung angehen. Einer professionell psychologisch geschulten Begleitung, die im Rahmen der Gemeinschaftsbildung nach Scott Peck üblicherweise nicht gegeben ist.

Die Begleiter:innen

Die Begleiter sind in Deutschland üblicherweise Personen, die selbst starke, positive Erfahrungen mit dieser Methode erlebt haben und dies deswegen gerne weiter geben möchten. Es sind Menschen aus allen Bereichen der Gesellschaft, mit komplett unterschiedlichen beruflichen Hintergründen und Werdegängen. Es gibt Ansätze in Bezug auf die Konzeption einer Ausbildung zum/zur Begleiter:in der Gemeinschaftsbildung. Tatsächlich nach diesem Schema komplett ausgebildetete Begleiter:innen gibt es jedoch derzeit in Deutschland nicht bzw. nach meinem Kenntnissstand nur eine einzige Person. Mangels Möglichkeiten ist es meines Wissens nach äußerst schwierig diese Ausbildung überhaupt abzuschließen. Darüber hinaus gibt es keine geschützten Bezeichnungen in diesem Bereich. Jeder, der es möchte, darf sich als Begleiter:in der Gemeinschaftsbildung nach Scott Peck bezeichnen. Jedem, dem der Sinn danach steht, darf ein Institut für Gemeinschaftsbildung gründen und damit werben, ganz unabhängig von seiner Qualifikation und Erfahrung. Dies ist also genauso, wie in jedem anderen Bereich ohne geschützte Bezeichnungen. Integrität, Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit sind für mich Werte des Kerns der Gemeinschaftsbildung nach Scott Peck. Wer die eigene Qualifikation überhöht darstellt, der erfüllt diese Werte meiner Ansicht nach nicht. Es gibt keine Vereinbarung über einen ethischen oder moralischen Codex, dem sich die Begleiter der Gemeinschaftsbildung zum Wohle der Teilnehmer:innen verpflichtet haben. Die meisten Menschen, sind meiner Ansicht nach grundsätzlich redlich, engagiert und hilfsbereit und möchten mit Ihrem Wirken in der Welt Gutes zu bewirken. Aber wenn ich selbst zu einem solchen, möglichen Codex reflektiere, dann gab es doch auch in der Vergangenheit vereinzelt Vorkommnisse, bei dem ich das Verhalten einzelner Personen mit einem wüschenswerten Idealzustand als nicht vereinbar ansehe. Begleiter:innen sind halt auch nur Menschen.

Selbstverantwortung

Wesentlich für mich bei dieser Methode ist es, tatsächlich Selbstverantwortung zu lernen. Genauso wie man die z. B. gewaltfreie Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg in höchstem Maße manipulativ und rücksichtslos einsetzen kann, so ist dies auch mit jeder anderen Technik möglich. Und nur weil es im Prozess der Gemeinschaftsbildung Empfehlungen für authentische Kommunikation gibt, heisst das nicht, das jede:r Erfahrene oder Begleiter:in auch immer tatsächlich auch authentisch kommuniziert - noch dass die authentische Kommunikation zu jedem Zeitpunkt wünschenswert und nützlich ist. Wichtig ist es zu lernen, sich selbst wahrzunehmen. Zu lernen, seinem eigenen Gefühl, seiner eigenen Intuition zu vertrauen und sich von der Abhängigkeit von Autoritäten zu befreien - auch vom (Beg-)Leiter der Gemeinschaftsbildung. Natürlich wird man sich für eine gewisse Zeit am Anfang komplett nach den Anweisungen der Begleitung richten. Wie sollte man es denn sonst auch lernen? Aber niemals kann die Autorität der Begleitung absolut sein. Das besondere ist auch der experimentelle Raum, der viel Verunsicherung mit sich bringt. Es wird ermutigt vorhandene Regeln für das harmonische Miteinander zu hinterfragen und auch zumindest zeitweise außer Kraft zu setzen. Das kann jede Menge Verwirrung und Chaos verursachen und es braucht seine Zeit, seine eigene innere Wahrnehmung zu trainieren. Wer in diesem Prozess des wahrnehmens der Selbstverantwortung voran schreitet, der wird auch mit der Entscheidung konfrontiert, für sich selbst einzustehen. Mitunter auch nicht konform damit zu gehen und sowohl Ansichten als auch Entscheidungen von Außen zu Gunsten seiner eigenen Ansichten und Entscheidungen abzulehnen. Das ist kein einfacher Weg. Es bedeutet mitunter Ablehnung, Anfeindung, Abwertung und Ausschluß und führt - dort hindurch - zu größerer innerer und persönlicher Freiheit. Abschliessend möchte ich noch sagen, dass ich auch die Erfahrung von Workshops begrüsse, deren Veranstalter ich heute als sehr kritisch sehe. Denn diese haben mich auf den Weg zur Gemeinschaftsbildung gebracht - was ich als sehr wertvoll empfinde.